Gut gegeben

Aus den Leserbriefen an „konkret„:

Einmal wurde ich von angebräunten Jung-Tirolern in Reutte nach einem Konzert aufgefordert: „Krischdorff, sing amal dö Horscht-Wessel-Liad …!“ Aus fast mystischer Tiefe konnte ich – ohne nachzudenken! – sofort antworten: „Ich singe nicht die Lieder von Verlierern!“ Danach folgte zu meiner eigenen Überraschung eine große, nahezu Horvathsche Stille.
Christoph Hofrichter

Kino-Tip

Daremo shiranai - PlakatDaremo shiranai („Niemand weiß“) von dem tollen Regisseur Hirokazu Kore-eda.
Für alle, die noch die eine oder andere Haushaltspackung Papiertaschentücher zu Hause haben, deren Haltbarkeitsdatum bald endet und die deshalb sowieso weg muß.
Im Ernst: Ein sehr anrührender Film, dabei weit weg von Hollywood-Schwulst; und auch kein Sozialkitsch, wie es der Pressetext vielleicht vermuten läßt. Keine „message“, und deswegen wohl so ergreifend. (Aber: Daß die NYT zu dem Satz kommt, man fühle sich am Ende nachdenklich und ungewöhnlich heiter, läßt mich schlimmstes für die Seele der Fleischerhunde Kritiker fürchten…)
Mehr Informationen zum Film und zu den Terminen beim Kölner Verleih rapid eye movies. Aber bitte nicht vorher den Trailer ansehen – der ist voll daneben!

Heute Abend

Heute im Kölnischen Kunstverein sind in der von Mark Terkessidis moderierten Veranstaltungsreihe HETEROTOPIEN Nora Sternfeld, Lehrbeauftragte an der Akademie der Bildenden Künste Wien und Ibrahim Cindark, Gründungsmitglied der MigrantInneninitiative „Die Unmündigen“ dabei. Ähm – und ich, im Publikum 🙂

Nachtrag zu Einstein

Schüttele ich noch den Kopf über den Preis dieser VHS (mit Zischler) – dabei ist Carl Einstein einfach ein hochinteressanter Mensch/Autor und „Bebuquin“(*****) ein wirklich ziemlich abgefahrenes Stück Literatur.
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(*****) Den kubistischen Roman gibt es bei Reclam für schlappe 2,60€ – Auszug gefällig? »Die Scherben eines gläsernen, gelben Lampions klirrten auf die Stimme eines Frauenzimmers: Wollen Sie den Geist Ihrer Mutter sehen? Das haltlose Licht tropfte auf die zartmarkierte Glatze eines jungen Mannes, der ängstlich abbog, um allen Überlegungen über die Zusammensetzung seiner Person vorzubeugen. Er wandte sich ab von der Bude der verzerrenden Spiegel, die mehr zu Betrachtungen anregen als die Worte von fünfzehn Professoren. Er wandte sich ab vom Cirkus zur aufgehobenen Schwerkraft, wiewohl er lächelnd einsah, daß er damit die Lösung seines Lebens versäumte.«
LINKS:
1.) CARL EINSTEIN – „SCHULZE IST WIEDER HERR DER SCHÖPFUNG UND DER WELT“ (von Dr.Lutz Neitzert)
2.) Birot, Einstein, Pansaers corrispondenza dadaista incrociata
3.) Der blutige Ernst No. 4 (Berlin, November 1919)
4.)
Kleine (understatement) Carl Einstein-Seite
5.) Proseminar II: Expressionistische Prosa, 2st. Mi. 16-18h, ZH 7 (Hager), mit Download zu Bebuquin