Deutschen Eichen mußt Du weichen

Der Verlag für Deutsche Wirtschaft AG, der immer wieder gern darauf hinweist, wie einfach man sein Leben vereinfacht, newsletterte neulich:

REICH wie Bill Gates
STARK wie eine deutsche Eiche
WEISE wie der Dalai Lama

Nicht nur wäre es ‚vereinfachend‘, die „deutsche Eiche“ von ihrer Nationalität zu entrümpeln – es würde mich auch nicht rätseln lassen, ob belgische, französische oder dänische Eichen weniger stark sind. Leider konnte mir der Verlag bis heute nicht das Verständnis erleichtern. Können Sie vielleicht?

Immer schön positiv

Also, es wäre total einfach, die Aktion „Du bist Deutschland“ herunterzunörgeln. Wirklich. Z.B. wegen der an irgendwelche Sekten und Selbstbetrügerformeln erinnenden Dumpfbackenphrasen, die in den „Clips“ gebracht werden. Ehrlich. Denn hatten uns nicht vor Jahren noch irgendwelche Leute vor Gemeinschaften gewarnt, die mit einfachen Mantras nur unser Hirn waschen wollten? Oder vor den „Tschaka“-Heinis, die ihre Konten mit dem unsäglichen „Du kannst alles schaffen, wenn Du es nur willst“ füllten? Es wäre also leicht, eine 30-Millionen-Aktion als Oberschwachsinn abzutun.
Aber man muß doch auch das Positive sehen!
Ich z.B. habe schon lange nicht mehr beim Fernsehen so gelacht! Und dafür bin ich dieser Aktion wirklich dankbar! Danke!
Jetz gehe ich aber erst mit Herrn Liebermann zum Eimer.

So wird das nix mit Deutschland.

Langsam stürzen mich diese ganzen Meldungen in eine Identitätskrise! Ab heute habe ich also auch noch Deutschland zu sein.
Leider bin ich aber wohl nicht Deutschland, weil ich keinen Internet Explorer, sondern nur den aktuellen Opera8.5 auf XP verwende. Und der Himmel (über Berlin? über Deutschland?) einfach nur blau bleibt. Und weil es scheinbar oder anscheinend keine Alternative zum schlecht programmierten Flash gibt. Schade eigentlich. Ich wäre so gern auch Deutschland gewesen. Nachdem ich ja neulich erst ein 80millionstel Papst geworden bin.
Mensch, Leute, so wird das nix mit Deutschland.

Erster!

Der diesjährige Sieger meines Wettbewerbs „Die Deutschen waren immer pro“ ist die Kölner Stadtrevue. Normalerweise tauchen „Progrome“ ja immer erst Ende Oktober / Anfang November auf. Die Stadtrevue schaffte es allerdings in der Oktoberausgabe, die heute erschien. Auf S. 112 steht folgender Text, der (auch noch) nicht mehr auf der Homepage zu finden ist.
Stadtrevue ist pro grom
Gratuliere!

Die Heidenreichisierung der Buchwelt

Gerade habe ich den neuen Newsletter des „Literaturclubs“ bekommen und bin entgeistert. Da ich den Literaturclub für die eloquenten, nachdenklichen und dennoch witzigen Gesprächsbeiträge liebe (denn auf solch hohem Niveau gibt es leider nicht mehr viele Sendungen), hat mich das Auftauchen der Moderatorin der ZDF- Sendung „Lesen!“ Elke Heidenreich erschüttert. Denn „Lesen!“ und Frau Heidenreich bieten nun genau das Gegenteil von Eloquenz und geistreicher Auseinandersetzung mit Büchern.
Nun ja, die Redaktion wird das anders sehen…

The wonderful world of Blogs

Das tolle an der bunten Welt der Blogs ist, daß mir beim Lesen in verschiedenen Blogs immer wieder klar wird, daß der Mensch vielleicht ein vernunftbegabtes, aber keineswegs ein vernünftiges Wesen sein muß.
Boah, ich mach erst mal wieder eine Lesepause, sonst lasse ich gleich wieder alle Hoffnung fahren. Es gibt schon ordentlich blödes da draußen.
Nein, Sie meine ich natürlich nicht.

Rebel without a cause

Leider versäumt es DIE ZEIT, auch den Nur-Netz-LeserInnen zu zeigen, daß sie die einzig wahre Satirezeitschrift der Republik ist. „Titanic“ – da weiß ich doch, daß die immer nur Witzigkeiten bringen – keine Überraschung. Die taz hat eine eigene Seite, über die ich bei Unlust hinwegblättern kann.
Mit welcher Raffinesse DIE ZEIT aber einen aufregend sarkastischen und brutalkomischen Artikel von Ulf „Sportwagen“ Poschardtder in der WELTWOCHE.ch Autokolumnen, diese Bastion der mittlebenskrisengeschüttelten Mäner, schreibt – hier ein paar Titel von ihm:
Der kleine, aggressive Ferrari 456 ist eine der bewährtesten Rennmaschinen. Und – wenn’s beliebt – auch Familienkutsche.
Wo ein Über-Jeep Marke Hummer in der Einfahrt steht, lässt sich kein Schurke blicken.
Volvo C70 T5: Ein stilvolles Cabrio für Leute, die gerne offen fahren, dabei aber nicht penetrant gute Laune zeigen mögen.
Der Mini wertet seine Fahrer auf – er macht ältere Herren jugendlich, Frauen lässt er hübsch aussehen.
ins Feuilleton schmuggelt – großartig! Ich will mal nicht den Kaufanreiz der heute womöglich noch vereinzelt erhältlichen ZEIT Nr. 37 zu sehr dämpfen, indem ich zu viel vom Esprit des Herrn P. verrate. Nur so viel sei angedeutet (nämlich die Conclusio, entnommen dem Untertitel):

Wahrhaft rebellisch ist es, für die FDP zu sein.

Wenn einem soviel Komik wird beschert, das ist schon einen – rrrring rrrring „Hallo?! Ach, Herr Poschardt! Was? Nicht? Witzig gemeint? Ach so. Ja, dann. Ja, Ihnen auch.“
Also, dann könnte Andreas Farizadeh recht haben. Wie schrieb er doch in der taz vom Samstag: Zwischen Kühlerhaube und Heckklappe ist ihm das Gehirn in die Brieftasche gefallen.