Türkisch lernen mit der ZEIT

Natürlich erschüttert es mich nicht, daß angeblich 91% der Christiansen-Zuschauer gegen eine Haftentlassung der RAF-Häftlinge votiert haben sollen. Was soll man von Leuten erwarten, die sich diese Sendung anschauen. Zumal in einem Land, dessen Mehrheit sich vor 73 Jahren für den Nationalsozialismus entschieden hat. So etwas geht nicht spurlos vorüber. Man erinnere sich nur an die geifernden Demokraten, die vor 30 Jahren mit kaum zu überbietender Widerwärtigkeit empfahlen, die RAF-Leute „freizulassen“, um sie dann „auf der Flucht“ zu erschießen. Gelernt ist eben gelernt. Und der nächste, der es wagt, von den christlichen Wurzeln und Werten des europäischen Abendlandes zu sprechen, zahle fünf EUR („Platz an der Sonne, ne“) in die Phrasenkasse. Danke.
Daß aber die Redaktion einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt meint, eine solche Umfrage überhaupt veranlassen zu müssen und dann auch noch das Ergebnis zu veröffentlichen – das läßt mich mal wieder zum Eimer schreiten.
Wie schön, daß ich in der aktuellen ZEIT einen passenden türkischen Satz lernen durfte:
»Bunlarn hepsi Nazi«
Aber echt hepsi, moruk!

"Heitere Stunden in Auschwitz"

Daß sich mit Goethe das SS-Personal unterhalten ließ, sollte nicht gegen den Autor sprechen?
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Ernst Klee weist im ZEIT-Artikel „Heitere Stunden in Auschwitz“ auf die NS-Kulturveranstaltungen hin, die im besetzten Polen für das Lagerpersonal gegeben wurden:

»Am Montag, den 15. Februar 1943, 20 Uhr«, so lautet die Ankündigung, »findet im kleinen Saal des Kameradschaftsheimes der Waffen-SS ein Abend statt unter dem Motto ›Goethe – ernst und heiter‹. […] Diese Veranstaltung bietet Gelegenheit, gerade die Volksdeutschen mit den höheren Gütern deutscher Kultur vertraut zu machen.«

Klees Buch »Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945« (736 S., 29,90 €) erscheint im Februar im Verlag S. Fischer.

Das Ende der Hochkultur

Deppen-Apostroph in der E-Musik-Werbung

Während Karl Kraus, dessen „Fackel“ ja seit Jahresbeginn erfreulicherweise online les- und durchsuchbar ist, wegen eines falsch gesetzten Beistrichs klagte, beklage ich jetzt mal das Ende der Hochkultur. Was mit Nigel Kennedy begann und langsam aber sicher zu einem sexy Konzertshowquatsch verkommt, erfährt mit dieser Anzeige in der Aktuellen ZEIT Nr. 4 / 2007 einen weiteren Tiefpunkt: Der Einzug des Deppen-Apotrophs. Nein, es ist kein englisches „Mahler’s“ – was ja korrekt wäre. Warner [sic] Classics wirbt damit für Barenboims Einspielung von Mahlers 7. und 9. Sinfonie. Sitzen eigentlich nur noch Deppen in den Agenturen?

Deppen-Apostroph in der E-Musik-Werbung
R.I.P.

Happy Schmidt-Day!

Anläßlich des 93. Geburtstags von Arno Schmidt möchte ich noch einmal Alice Schmidts Tagebuch aus dem Jahr 1954 hinweisen. Da ist nicht nur Typo & Binderei wunderbar gemacht. Auch der Einblick in das Jahr ’54 einfach spannend. Und zum heutigen Tag ein Ausriß:
Ausschnitt aus dem Tagebuch - Was fuer ein Gott ist Arno dagegen
Daneben ist auf die Arno-Schmidt-Stiftung hinzuweisen. Und natürlich auch auf die Homepage der GASL. Und nicht zu vergessen Giesbert Damaschkes Website »mare-crisium.de«, die sich widmet dem im Dezember 1960 erschienenen Roman »Kaff auch Mare Crisium« von Arno Schmidt. Und natürlich auf seine Seite zur AS-Mailingliste!
Prost!

Neue MS Word-Funktion!

Wer kennt das nicht: Den ganzen Tag muß man Entscheidungen treffen, ohne Zeit für das Überdenken der Konsequenzen zu haben. Für das stets getriebene und überforderte Management hat MS nun eine neue Business-Funktion implementiert (unter „EXTRAS – OPTIONEN – ENTSCHEIDER“ einstellbar). Endlich eine praxisnahe und sinnvolle Erweiterung, die die tägliche Arbeit für Entscheider enorm entstreßt!
Neue MS-Word-Funktion