Das Corino

Einer der letzten Vertreter der zwischenzeitlich als ausgestorben geltenden Spezies pisum computus literaricum. Nur noch in geschützten Bereichen wie dem Kulturfernsehen oder dem Feuilleton anzutreffen. Schlägt mit seinem meist unerträglich selbstgefälligen Verfehlen von Texten und dem chronischen Verwechseln von Literatur mit dem Leben den homo sapiens sapiens in die Flucht. Wird sich daher aus Mangel an Gelegenheit wohl nicht mehr fortpflanzen.

BP 2007

Eigentlich wollte ich ja dieses Jahr den Bachmann-Bewerb ignorieren. Und dann hat die Sucht doch wieder gewonnen und ich schaute die Streams des ersten Tages. Was den Vorteil des FF hat. Die Lesungen: Uih, uih. Aber das war eh‘ in den vergangenen Jahren konstant abnehmend. Und wer erst einmal einen Tellkamp-Text als Sieger sah, den wird nichts mehr erschüttern.
Seit IR die Jury leitet und Jahr für Jahr durch offensive Bekenntnisse des Nichtverstehens überzeugte, wurde es zudem immer wurschtiger; und mit BSs Wegggang war für mich der letzte Grund des Schauens und Hörens entfallen. Aber die Sucht eben…
Doch was die diesjährige Jury gestern an „Meinen“ ablieferte, kam einer Selbstdemontage gleich. Da wurde nur in den wenigsten Momenten begründet, das Statement überwog. Furchtbar. Also: Selber lesen, so ein Preisschauen ist ja auch Lebenszeit (Dank für den Hinweis, Frau R.).

Liebe BMG – Guten Tag & Auf Wiedersehen

Leider wird „Keimzeit – Das Beste bis jetzt“ die letzte BMG-CD sein, die ich mir gekauft haben werde. Da ich kaum CD-Spieler (was war das noch mal???), sondern mein Notebook nutze, habe ich erst nach dem Einlegen und Nichtabspielen der CD den „riesengroßen“ Hinweis auf der CD-Rückseite entdeckt. Das war meine erste Begegnung mit so einem Abspielschutz.
Ab jetzt schaue ich einfach nur noch nach BMG – und lasse die liegen.
Schönes Leben noch, wünscht Ihnen
Ihre kulturnation.de

Buchpreisbindung ist logisch

Es ist ja nichts vor den NeoKons sicher, und so steht auch die Buchpreisbindung unter Beschuß (bzw. wurde in der Schweiz gerade abgeschossen). Weil die ja den tollen Markt behindert. Und wer einen unreguliertem Wettbewerb nicht überlebt, hat es auch nicht anders verdient. Schließlich ist das alles zum Wohle des mündigen Konsumenten!
Einen sehr interessanten Artikel für die BPB konnte man heute von Ilija Trojanow: „Bücher, gut und billig“. Neben der Angabe, daß Bücher in den USA „etwa innerhalb von nur fünf Jahren um 62 Prozent“ teurer wurden und der Tatsache, daß selbst berühmte unabhängige Buchläden wie Gotham Books geschlossen haben, zeigt er den Schwachsinn der billigeren Bestseller auf:

Die Bestseller, die populären und oft nachgefragten Titel werden tatsächlich billiger, teilweise um bis zu einem Drittel. Doch ist das wirklich positiv? Wo gibt es das sonst in unserer Wirtschaft, dass man gerade die erfolgreichsten Produkte verramscht? Wie würde ein Autohändler auf den Vorschlag reagieren, er solle den neuen Audi Quattro um 15.000 Euro heruntersetzen, weil der sich gerade so gut verkauft. Und wie wäre der Douglas-Kette begreiflich zu machen, dass sie die zehn beliebtesten Parfüms (ermittelt von der Vogue) stets mit einem Rabatt von dreißig Prozent verkaufen sollte?
Nein, in der besten aller Welten sollte genau das Gegenteil geschehen.

Lesen!

Zauber der Oper

Regine Mueller bezaubert heute in der taz-nrw mit einer Doppelrezension der neuen Inszenierungen von Verdis Otello in Bonn und Wuppertal. Besonders zu Herzen geht der Satz

Kor Jan Dusseljees Otello hat kraftvolle Attacke bei steifen Hoehen

Dass da, wie der Artikel ueberschrieben ist, in Bonn niemand lacht, erstaunt aber doch etwas.