kurz – nah – weg(geworfen)

Gestern fand ich in der aktuellen ART die CD-ROM „kurz-nah-weg“ vor, ein Qualitätswerbemittel der DZT. Überraschend (um es einmal neutral zu formulieren) war dann aber, daß die DZT im Jahr 2007 eine CD-Rom herausgibt, die nur auf MS-Betriebssystemen läuft… Zumal die ART vermutlich einen höheren Anteil an MAC-NutzerInnen als gewöhnlich hat – ob die Beilage dort sinnvoll ist?
Nun, immerhin wird sich die Entwickler-Firma freuen, noch mal ihre veraltete uptodate-Dienstleistung verkauft zu haben.
Ganz groß aber auch die Presseabteilung. Immerhin dürfte es sich um eine immer noch aktuelle Kampagne handeln. Daher möchte man als JournalistIn vielleicht etwas wissen und geht zur Presse-Seite:

Für Fragen und Feedback stehen wir Ihnen gerne per E-Mail unter extranet@d-z-t.com oder telefonisch unter 069 xxxxxx zur Verfügung.

Ist aber wohl doch nicht so ernst gemeint, denn prompt kommt die Antwort:

Vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihr Interesse am Reiseland Deutschland.
Bis 13.12. bin ich leider nicht im Büro und kann Ihre E-Mail nicht bearbeiten.
In dringenden Fällen wenden Sie sich bitte an meine Kollegin, Frau XXXXXXXXXX:
xxxxxxxxx.xxxxxxxx@d-z-t.com
Tel.: 069 xxxxxxxxx

Ach gottchen, was ist schon dringend? Und bevor ich der Kollegin noch mal meine Anfrage schicke (eine Weiterleitung einzurichten würde ja nur zu mehr Arbeit für die Kollegin führen), suche ich mir doch lieber ein anderes Thema.
Zusatz:
Gerade trudelt doch schon eine Antwort ein:

vielen Dank für Ihr Feedback bezüglich der CD-Rom „kurz-nah-weg“. Wir sind natürlich immer bemüht unseren Service und unsere Produkte zu verbessern und somit sehr dankbar für Verbesserungsvorschläge.

Ja, eine CD-Rom im Jahr 2007 auch für andere als MS-Betriebssysteme lauffähig zu gestalten, wäre natürlich schon eine Verbesserung…

Gut gegeben

Der hochgeschätzte Kaspar Königso entnehme ich es der aktuellen stadtrevue in einer Diskussionsrunde am 6.11.2007 im Schauspielhaus:

In dieser beschissenen verkackten Stadt will niemand für die Kultur einstehen.

Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Jean Paul

Erstes VorwortEin zweites Vorwort ist dann leider doch nicht zustande gekommen

Es sei heute an seinem Todestag an einen Autor erinnert, in dessen Werk der Tod ein so wichtiges Motiv ist.

Traueranzeige

Vor 182 Jahren endete das Leben eines außerordentlich produktiven Autors Jean Paulgetauft auf den Namen „Johann Paul Friedrich Richter“, aus Bewunderung für Jean-Jacques Rousseau aber nannte er sich eben Jean Paul, dessen Textmassen nicht abschrecken sollten.

Abschweifung

Wer nicht gleich ein Buch nehmen möchte und sich dem Lesen ergeben, der sei auf diese Links verwiesen:

  • wikipedia – wie so oft ein guter Ausgangspunkt.
  • Die Seiten der Jean-Paul-Gesellschaft, die heute – wie jedes Jahr – ihre Hauptversammlung abhält. Leider im aktuellen Bereich nicht sonderlich aktuell, dafür aber mit vielen Informationen und – besonders löblich – einer Bibliographie ausgestattet.
  • Das neue Jean-Paul-Portal (JPP), das wohl in Zukunft Informationen bündeln möchte.
  • Die Staatsbibliothek zu Berlin bietet ebenfalls gute Informationen und Links zu Jean Paul.
  • Ebenfalls zahlreiche Links bietet die Seite der Universitätsbibliothek der FU Berlin.
  • Um sich auf die Spuren Jean Pauls zu heften, böte sich der Jean-Paul-Rundweg in Schwarzenbach an.
  • Auch Hof bietet einen solchen Wanderweg.
  • Und natürlich gibt es auch viele Texte von Jean Paul online beim Projekt Gutenberg.
Nachwort

Titelblatt Giannozzo - Hamburger LesehefteDas mehr als umfangreiche Werk könnte einschüchtern und Menschen vom Lesen abhalten. „Womit beginnen?“ würde ich aber mit einem meiner Lieblingstexte beantworten: Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch. Ein überschaubarer Text. Den es online, aber auch in einer sehr einfachen Ausgabe der Hamburger Lesehefte gibt.ISBN 3872911406, EUR 1,60 ! Und „Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wutz in Auenthal“, ebenfalls ein guter Einstiegstext.

Worte des Autors


Wie war dein Leben und Sterben so sanft und meerstille, du vergnügtes Schulmeisterlein Wutz! Der stille laue Himmel eines Nachsommers ging nicht mit Gewölk, sondern mit Duft um dein Leben herum: deine Epochen waren die Schwankungen und dein Sterben war das Umlegen einer Lilie, deren Blätter auf stehende Blumen flattern – und schon außer dem Grabe schliefest du sanft!
Jean Paul: Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wutz in Auenthal (1790)

Ein schöner Beitrag zur Haptik des Papiers

Nach einer etwas heftigen Arbeitsphase, die mich weltblind gemacht hat, genieße ich jetzt Lesen im NetNewsWire; sehr gut gefiel mir Don Alphonsos Beitrag Blogs! Buch Blog » Eine kleine Geschichte von der Haptik des Papiers:

Ich weiss nicht genau, wie hoch die in die zigtausende gehende Auflage der heutigen Nachdrucke von Tasso ist, aber in Perugia wurden damals nur 2000 Exemplare gedruckt, und davon haben vermutlich weniger als 100 überlebt. Schön finde ich das auch nicht, ich bin kein Freund vom industriell-kulturellen Niedergang, den die vergangenen zwei Jahrhunderte bei allen Verbesserungen in anderen Bereichen nach sich gezogen haben, aber so sind die Leute eben. Sie nehmen für geringere Kosten schlechtere Produkte in Kauf, und wenn sie etwas kostenlos bekommen, werden sie es nicht woanders in besserer Qualität nochmal kaufen. Eine kleine Minderheit tickt anders, aber die reichen für die aktuelle Produktion von klassischen Medien hinten und vorne nicht aus.

Daran entzündete sich auch eine kleine Diskussion.
Wahrscheinlich bin ich, was die Leidenschaft für schönes Papier und gelungene Druckerzeugnisse angeht, einfach familiär geprägt – der bei DA abgebildete „Tasso“ machte mich jedenfalls ein wenig neidisch. Und glücklich.

Teutscher Humor

So begründete die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung die Vergabe des Georg-Büchner-Preises 2007 an den bekennenden Reaktionär Martin Mosebach:

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Georg-Büchner-Preis 2007 Martin Mosebach, dem Erzähler von weltweitem Horizont, der die klassischen und die modernen Traditionen des Romans zu einer kraftvollen neuen Synthese geführt hat, und dem Essayisten von universaler Bildung. Sie ehrt einen der humorvollsten und hintergründigsten Menschendarsteller unserer jüngeren Literatur und einen ihrer glanzvollsten Stilisten.

Da gab es doch mal jemand, der den Stil über alles stellte. Propagandaminister galten manchem ja auch als glänzende Stililisten. Allein: Wenn ein Schreiber, dessen unerträglich langweilige Büchlein ich hier nicht kommentieren möchte, in seiner Dankesrede eine Linie von Saint-Simon durch Büchner zu Himmler zieht, ziehe ich nur noch einen Strich darunter. Und wenn MM sich den grauenhaften Reaktionär Joseph Marie de Maistre als Eideshelfer nimmt und dies nicht zur Aberkennung des Georg-Büchner-Preises oder wenigstens zu einem heftigen Protest führt; sondern bekannt liberale Blätter zur Goutierung solchen, milde ausgedrückt, Unsinns treibt; dann halte ich Nachmittags-Talkshows für das kleinere Übel und RTL2 für Bildungsfernsehen.