(An-) Biedermeierei

Das deutsche feuilleton (dies groß zu schreiben wäre unangemessen) verkommt doch immer mehr zum „Ich weiß auch nicht mehr als meine Leserschaft“-Bekennerschrifttum. Sehr schön dokumentiert dies Philipp Oehmke, indem er mit einem ernüchternden Hinweis beginnt:

Nichts ist simpler, als Dietmar Dath doof zu finden: Er macht es einem schwer beim Lesen, er ist ausschweifend und belehrend, und in seiner Literatur kommen Zombies vor.

Wenn „schweres Lesen“ u.a. bereits gegen Literatur bzw. Literaten sprechen, dann dürfte die Generation SMS sich endgültig auch in den sog. Literatur-Teilen als Maßstab des lesenden Publikums durchgesetzt haben.
Und es erstaunt mich auch nicht, daß der Artikel dann erst einmal ausführlich die Probleme der Taxifahrt zum Suhrkamp Verlag schildert. Zeilengeld ist eben auch nicht mehr, was es einmal war.

Wertewandel

Neulich hat die abstimmende Mehrheit der taz-Leserschaft ja schon deutlich dokumentiert, daß man wegen so ner von den Nazis benutzten Formulierung in Buchenwald mal nicht so n Geschiss machen soll.
Da ist es nur folgerichtig, daß heute in der taz das Fernbleiben des Zentralrats der Juden von der Feierstunde (Feier ???) im Bundestag mit
Boykott-Taz-1 Boykott-Detail
titelt. Genau, irgendwie auch „Juden-Boykott“, ne. oh oh oh

Pathos? Nein, danke.

Robert Misik läßt das Pathos hochleben. Mich läßt das eher kalt.
Bitte immer schön differenzieren 🙂 Ja, eine pauschale Ablehnung ist natürlich zu simpel. Aber deswegen jede Ablehnung des momentanen „Yes, we can!“-Gedusels als zynisch zu denunzieren, halte ich auch für unangebracht.
Und ein Befürworter der Todesstrafe ist eben ein Befürworter der Todesstrafe. Und nur weil B.O. jetzt den Mist korrigiert und eine „normale“ Politik betreibt, ist er eben noch kein von mir zu Bejubelnder. Wo kämen wir da hin, wenn „normal“ schon Anlaß zum Jubel böte 😉
(Las gerade Auszug aus V. Woolfs Tagebuch: „Ich mag keines von den Gefühlen, die der Krieg hervorruft: Patriotismus; Gemeinschaft &c, lauter Sentimentalität & eine emotionale Parodie unserer wahren Gefühle.“ – S. Fischer Verlag, Übersetzung: Claudia Wenner)

"Qualität" der HörspielsprecherInnen

Ich weiß nicht, ob ich einfach nur alt werde, was an den Ohren habe oder der Eindruck doch nicht trügt: Aber in letzter Zeit habe immer häufiger Neuproduktionen mit (jüngeren) SprecherInnen gehört, deren Sprechen ich für höchstens mittelmäig halte. Zum Teil bei diesen „ARD-Radio-Tatorten“, aktuell beim gestern auf WDR5 gelaufenen „Keine Leiche in Amsterdam“. Nach zehn Minuten war Schluß, dieses hölzern-altbackene, ohne jede Modulation auskommende Runterleiern („HaHaaa! Ich bin ein ganz tougher Kommissar!“) war nur noch unerträglich. Dieses Gefälle kam besonders deutlich ans Ohr, wenn der großartige Friedhelm Ptok als Sprecher zu hören war.Dagegen sind ja selbst die Nebenrollen der „???“ Weltklasse.
Kann natürlich auch alles an der Regie liegen.

ADAM

Alles Deppen Außer Mutti.
Nach dem Lesen der Kracht-Kritiken zu dessen Buch „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“ bin ich mir sicher: Ich brauche keine deutschen Zeitungs-Buchkritiken. Auch der von mir geschätzte Büchermarkt im Deutschlandfunk bringt mich mit dem substanz- wie hilfloslosen Gestammel einer Daniela Seel, Julia Schröder oder eines Marius Meller immer mehr weg vom Hören.
Also zurück zu den Quellen.

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