Ambiguitätstoleranzübungen

zwei Werbeteaser nebeneinander, der linke weist auf die emanzipierte Franziska von Reventlow hin, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelebt hatte, der rechte ist eine Werbung für Beautyprodukte

Respekt vor den Contentmanager*innen beim Tagespiegel
Warum habe ich eigentlich in diesem Blog noch nicht über die guten Bücher „Das Pragmatismus-Prinzip“ von Dirk von Gehlen und „Die Vereindeutigung der Welt. Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt“ von Thomas Bauer geschrieben? Für mich wird dort auch sehr schön analysiert, warum in unserer Gesellschaft zunehmend aggressiver, unterkomplex und rückwärtsgewand ‚argumentiert‘ wird.
Beide Autoren kommen auch zu dem Schluß, daß wir mehr Ambiguitätstoleranz brauchen. Also damit umgehen lernen, daß nicht alles unterkomplex lösbar ist; oder daß Widersprüche normal sind.
Daher habe ich mir die oben nebeneinander montierten, auf der Webseite des Tagesspiegels in zwei Reihen untereinander stehenden Teaser als Übungscollage gebastelt.
Aber Teaserbalken (nicht nur beim Tagesspiegel) können auch zur Erheiterung beitragen:
Zwei Werbeanzeigen, links über die dunklen Geheimnisse der britischen Royals, rechts über Liebe, die kein Alter kennt.

Gnadenlos witzisch – Online-Teaser

Brutalstmögliche Kulturaufklärung

Drei Katzen liegen auf einer Stufe vor einer verschlossenen Tür

Auch für diese Kulturinteressierten ist Oper manchmal eine Tür mit drei Schlössern!

Reinhard J. Brembeck stellt in der SZ eine knallharte Frage:

„Aber sollte Oper nicht eigentlich mehr sein als ein Luxusprodukt?“.

Wer die Antwort wissen möchte (ich komm‘ nicht drauf, ich komm‘ nicht drauf), darf seinen oder ihren Wissendurst nach Überwindung der Bezahl-Mauer stillen.

Geschichtsprofis beim Deutschlandfunk

Anne Frank, 1940 - Unbekannter Fotograf; Collectie Anne Frank Stichting Amsterdam, Public Domain
Interessant, was ich eben durch den „Kultur heute“-Beitrag „Ein ICE namens Anne Frank – richtiges Signal oder Pietätlosigkeit?“ im Deutschlandfunk erfuhr:

„… wäre da nicht auch der Name der niederländischen Jüdin Anne Frank im Gespräch“
(Anmod des Beitrags bei 0:35)

Hey, warte mal: Anne Frank? Das war doch dieses Mädchen, das in Amsterdam gewohnt hat. Klar, dann war sie also Niederländerin!
Wie, ihre Eltern Otto Heinrich Frank und Edith Frank-Holländer waren Deutsche, und sie wurde in Frankfurt geboren? Die Nazis entzogen ihr – wie der ganzen Familie – die deutsche Staatsbürgerschaft?
Ach, jetzt mal nicht so kleinlich …
……….
[Foto: Anne Frank, 1940. Unbekannter Fotograf; Collectie Anne Frank Stichting Amsterdam, Public Domain]

Männerwelt

leere Sprechblasen

Jenseits der Quotenfrage stellt sich mir beim Blick auf das Cover der im Herbst erscheinenden ZIG die Frage, warum beim Thema „Kleine Formlosigkeiten“, zu dem Krethi & Plethi etwas schreiben könnten, eine derart männerlastige Auswahl zustande kommt. Old Boys Network rules.

Ein völlig irrelevanter Gedanke zur "Diskussion über Beschneidung"

Einen Moment lang hatte ich eine ganz merkwürdige Bild-Erinnerung. An diese „Bilder“(komm, sag schon Hetzzeichnungen …), in denen sich Männer an kleinenunschuldigenKindern(TM) vergriffen. Wenn sie sie nicht gleich fraßen oder wenigstens ihr Blut soffen. Wogegen natürlich die aufrechte Christenheit aber so was von angehen mußte.

Aber dies ist natürlich ein völlig irrelevanter Gedanke. Wie kam ich nur darauf?

Zufall?

In seiner FAS-Kolumne „Wie war Dein Tag, Schatz?“ beschrieb Georg M. Oswald am 29.07.2011 unter dem Titel „Professionals unter sich“ folgende Szene, in der sich vier Männer unterhalten:

„Als man sich herzlich lachend gerade einig geworden war, dass das Wochenende bei ihrer beruflichen Belastung allenfalls aus dem Sonntagnachmittag bestehe, ging es, originell genug, schließlich um die Frage, wer sich am letzten Sonntagnachmittag am meisten entspannt hatte. In einem Augenblick seltsam naiver Unbesonnenheit gestand Schlumm, er habe auf dem Sofa gelegen. Er liege gerne am Sonntagnachmittag auf dem Sofa. Nach diesem Bekenntnis war es sofort so, als sei etwas zu Bruch gegangen. Schlumm sah in die bestürzten Gesichter seiner Kollegen, aber verstand nicht.

„Aber danach bist du sicher gleich Kite-Surfen gegangen, oder?“ Schlumm verneinte. „Oder mit deinen Kindern zum Golfen?“ Schlumm schüttelte den Kopf. Er hatte keine Kinder und golfte auch nicht. „Meditation! Das war sicher Zen-Meditation, stimmt’s?“, versuchte der Älteste die Situation zu retten. Schlumm musste wiederum verneinen. „Ich liege einfach nur so da“, sagte er. Die anderen drei waren sich hinterher einig, dass man Schlumm den Versager auf den ersten Blick gar nicht ansah.

Als ich das las, war ich doch etwas erstaunt. Denn schon in der April-Ausgabe der Zeitschrift „Managerseminare“ war im Beitrag „Systematisch zum Selbst – Zwänge erkennen“  (*) der beiden Psycholgen Volker Kitz und Manuel Tusch genau diese Geschichte, nur war das angeblich der Forumseintrag einer 42-jährigen Karrierefrau Alina, CvD bei einer Frauenzeitschrift. Sie habe bei einer Fortbildung auf die Frage, was sie an einem ganz typischen Sonntag tut, geantwortet: „Ich liege nur einfach auf dem Sofa und mache gar nichts …“. Danach wird dann genau derselbe Gesprächsverlauf geschildert, den Georg M. Oswald auch beschreibt.

Zufall? Oder abgeschrieben?

(*) Nachzuhören im Podcast oder nach kostenfreier Anmeldung auf der Artikel-Seite, ungefähr ab 9:00 Minuten