It's Showtime, Baby!

Etwas, das mich so unsäglich bei der Streiterei um Emphatiker und Gnostiker im Rezensionsbetrieb anödet, ist die „man muß auch mal Spaß haben dürfen“-Frack:tion.Die mich an das Möllemann’sche „Man muß das doch mal sagen dürfen“ erinnert. Die eigentlich nur meint: Ich will gefälligst auf meinem Nie:wo amüsiert werden.
Weidermanns Verwechslung von Literatur und Autoren-Leben, die vermutlich keine ist, sondern nur dem Verkommen von Literatur zum Event geschuldet,Die 6. lit.cologne war wieder ein unsägliches Beispiel dafür. spiegelt bestens, was Heiden:reichts armutszeugnishaftes BücherbeJAUCHzEn betreibt: Stammeln auf Dutt-Niveau. Oder, wie es Winkels in einer SWR2-Diskussion so schön umschrieb: „Tautologische Rutschbahn“.„Kopf oder Bauch – Die zwei Seiten der Literaturkritik“; Moderation: Burkhard Müller-Ullrich; Gesprächsteilnehmer: René Aguigah – Redakteur der Zeitschrift „Literaturen“; Rainer Moritz – Leiter des Literaturhauses Hamburg; Hubert Winkels – Literaturredakteur beim Deutschlandfunk Köln; als Podcast vom 10.4.2006 noch nachhörbar Wenn Andrea DienerDie ich hier nur exemplarisch zitiere, nicht als Duellantin sehe. meint:

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber Weidermanns Unternehmen, mit Begeisterung an die Sache heranzugehen und Ansteckungsgefahr nicht von vorneherein auszuschließen, ist doch grundsympathisch.

– dann wird von ihr eine antiintellektuelle Haltung an den Tag gelegt, die seit längerem common sense sein dürfte (wobei „sense“ in diesem Falle vermutlich das falsche Wort ist).Daß beim Wettlesen zwischen Weidermann und Greiner ersterer „gewinnt“ (so zitiert Diener aus dem taz-Bericht über die LCB-Veranstaltung), spricht nicht für ihn. Bestenfalls gegen Greiner. Flachsinn, leicht konsumierbar, jede vermeintliche Anstrengung vermeidend, damit der Dümmste uns noch versteht. Bei dieser gesellschaftlichen Aus- oder vielmehr Zurichtung von Diskussionskultur (zu der sich das Feuilleton einst zählen konnte) verwundert es nicht, wenn dann auch mal ein Ausschnitt (oder eher „Ausriß“) aus einer Winkels’schen Rezension Die wiederum Uwe Wittstock nicht von ungefähr diffarmierend ins WELT-Feld führt. von Diener als „Schwurbel“ denunziert wird. Lichtenbergs „Buch vs. Kopf“-Aphorismus gilt möglicherweise auch hier.
Und die Anforderung an Literaturkritik, sich auf Verführung um ihrer selbst willen zu reduzieren, geht in die selbe Richtung:

Weidermanns Buch ist also nicht an seiner Methodik zu messen und daran, ob diese nun richtig, falsch, poppig oder akademisch auf neuestem Stand ist. Es ist daran zu messen, ob ihm seine Intention gelingt, also ob es tatsächlich so literaturverführerisch wirkt wie der Autor es beabsichtigt hat.

Genau: Wir wollen doch alle verführt werden. Feuilleton als „Boulevardkultur“, wie Winkels es nennt. Hauptsache, wir Lesen! Irgendwas. Das Aufzeigen, Nachverfolgen, Sichtbarmachen von Zusammenhängen oder Traditionslinien stört da eher. Beim Verführtwerden. Beim „Einfach-mal-gut-finden“. Du. Dann doch lieber noch schnell bei der Lesung fragen, ob der Autor auch so gern Kaffee Latte trinkt wie sein Held.
Roman-Lesen ist wahrlich kein Wert an sich. Im Gegenteil, es kann das Hirn komplett verkleistern.Auch Heiden:reichts Hinweis auf ihre supie Zuschauerzahl („Ätsch, doofer Denis, mich gucken viel mehr!“) ist nur allerdümmstes – und jede sucht sich ein ihr angemessenes – Argument. Schließlich wird die B**D auch von mehr Leuten gelesen als die überregionalen Tageszeitungen zusammen. Und so fragt sich, was die neue Leichtigkeit im Feuilleton (und die vehemente Forderung danach) eigentlich mehr sein will als Verlags-PR mit anderen Mitteln?

2 Replies to “It's Showtime, Baby!”

  1. Reißt den Deppen die Bücher aus der Hand. Sie haben keine Lesekompetenz! Lesen einfach drauf los ohne die hohen Damen und Herren zu befragen. Lesen die Scheiß-Bestseller, DIEWO keine Literatur sind, Literaturaneigner. Wo kommen wir denn dahin, wenn das gemeine Volk uns liest? Schaftt die Schulen ab, die sollen malochen. Lasst uns wieder in den Salons einschließen und uns vom Adel füttern lassen und intrigieren. Nur ICH allein kann lesen.
    Ein Hoch auf die Literaturkritik, die sich im eigenen Saft mit sich selbst beschäftigt, hach wie schön. Und wie forsch experimentell man daherkommt. Kein ö soll uns mit dem Plebs gemein machen, kein Komma uns mit dem Pöbel verbinden. Damit ist jetzt Scluss und Punkt.