Sancta Simpel usw.

Motivations-, Kommunikations- und Sonstwas-Trainer waren mir immer schon suspekt. Heute habe ich mal wieder etwas gehört, das mich in meinem Vorurteil der Schaumschlägerei bestätigt. Helge Thomas hat in seinem Podcast „Das Abenteuer Verkaufen“ die fünfte Folge im Angebot: „Du bist der Aufschwung“. Besonders schön ist der Punkt „Wie verkauft man ein Land?“ – ja, das trifft es wohl.
Großartig ist sein Schlußschmankerl, bei dem er Verdi & dem Öffentlichen Dienst nahelegt, die schlappen 18 Minunten mal nicht so eng zu sehen, schließlich frage er als Selbständiger auch nicht nach Überstunden. Und vielleicht sägten die ja auch am Ast, auf dem sie sitzen – und nachher kommen die Privaten Unternehmer, die das dann viel billiger machten.
Hoho, da schlottern wir jetzt aber mal kräftig. Aber nur, weil wir überlegen, wie solche Leute, die offensichtlich von keiner Kenntnis getrübt sind, als „Trainer“ auf Arbeitnehmer losgelassen werden.
Das kann natürlich etwas behoben werden. Z.B. mit dieser „Der Tag“-Sendung von hr2: „Das 18-Minuten-Missverstaendnis: wofür streikt Verdi“hier als mp3-Download, 50:09 min., 12.3MB
Da wüßte Helge Thomas dann, daß es z.B. durch verlängerte Arbeitszeit bisher meist zu Stellenabbau kam, besonders im Öffentlichen Bereich. Oder durch verlängerte Arbeitszeiten die Mitarbeiter-Gesundheit gefährdet werden kann. Oder der Öffentliche Dienst in den vergangenen Jahren bereits Einschnitte hingenommen hat. Aber Du bist Deutschland ist eben griffiger, da kommt es auf die Details nicht so an. Hauptsache, wir verkaufen das Land gut – und wenn auch nur für blöd…

4 Replies to “Sancta Simpel usw.”

  1. Dank Google habe ich zufällig euern Beitrag gefunden. Danke erst einmal für das Feedback. Schade, dass ihr den Komentar nicht direkt in meinem Podcast hinterlassen habt.
    Bevor ich nun mißverstanden werde. Es geht mir nicht darum, irgendjemand für blöd zu verkaufen.
    Tatsache ist aber, dass Menschen hier und überall auf der Welt nur Arbeit haben, wenn irgendjemand Geld dafür bezahlt, oder? Wo keine Kunden sind, die Produkte oder Dienstleistungen kaufen, da ist keine Arbeit.
    Ich verstehe meinen Auftrag als Trainer vor allem darin, Menschen Mut zu machen und ihnen Ideen zu geben, wie sie sich in der heutigen Welt zurecht finden. Dazu gehört aus meiner Sicht vor allem, ihnen immer wieder vor Augen zu führen, dass wir Deutsche nicht alleine auf der Welt sind. Die Globalisierung kommt nicht – sie ist da.
    Was tun wir? Streiken, Arbeitszeit verkürzen und damit Arbeit in Deutschland noch teurer machen – die Polen und Chinesen freuen sich! Oder strengen wir uns an, stellen wir uns der internationalen Konkurrenz und versuchen, wie im Sport, wieder die Besten zu sein?
    Eines hat die Historie ja auch gelehrt: Kürzere Arbeitszeiten, wie dei 35 Stunden-Woche oder Vorruhestand haben keinen einzigen Arbeitsplatz geschaffen. Das Gegenteil wirkt. Wir müssen länger arbeiten, um unsere Arbeitskraft wieder billiger zu machen.
    Ein letztes Wort zu den Gewerkschaften. Sie sind aus meiner Sicht sehr gefährlich, weil sie den Menschen Hoffnungen machen, die sie nicht erfüllen können. Dagegen werde ich nicht aufhören zu kämpfen, denn da hängen menschliche Schicksale dran.
    Der Familienvater, dem ich als Trainer sage: Steh auf und mach was. Du hast Ideen und Kraft, also setze sie ein, um deine Kinder zu ernähren, hat davon mehr, als wenn er 6 Wochen auf Streikposten steht (weil Herr Bsirske es gesagt hat) und danach arbeitslos wird.
    Übrigens: Wir betreuen mit einem Trainerteam seit Jahren ein Projekt der Bundesagentur für Arbeit, in dem Arbeitslose lernen, sich selbständig zu machen. Das Ergebnis: Über 70% werden und bleiben erfolgreich und schaffen wieder Arbeitsplätze.
    Freue mich auf eine rege Diskussion.
    Herzliche Grüße aus Heidelberg

  2. Nach Studien (s. die oben genannte Sendung) führt Mehrarbeit eher zum Arbeitsplatzabbau. Daß die 35h-Woche auch zu keinem weiteren Arbeitzplatz geführt hat (was noch zu belegen wäre). ist damit kein Argument für die Stundenzahlerhöhung.
    Gewerkschaftsbashing und „Wer hat Angst vor’m Bösen Mann“ (China, Polen) paßt zum NeoKon-Denken. Ich finde es eher langweilig.
    Ich freue mich aber schon jetzt auf die kommenden und erfolgreichen 3.5 Mio. Selbständigen-Neugründungen. Wenn das hinhaut, dann klappt das auch wieder mit dem Nachbarn. Oder so.
    Rege Diskussion? Och nö.